Gusty Grisu - Duke of Ram and Taurus

*16. Februar 1996 - † 12. März 2010

 

Hier der Link zu den Ewigen Jagdgründen auf der Seite unserer Züchterin:

 

 

Grisu

Als wir uns, eine kleine Familie mit einer zu der Zeit 4jährigen Tochter, Anfang 1996 entschlossen, dass wir einen Hund haben wollten, dachten wir nicht im Traum daran, wie sehr diese Entscheidung unser Leben verändern sollte.


Im Mai gingen wir dann ganz unbedarft hier in Dortmund in die Westfahlenhallen zur Hundeausstellung, um uns zu informieren.
Es sollte ein Familienhund sein - freundlich und verspielt.
Hmmm .... da gab es eine Menge Rassen und vieles zu beachten.
Als wir dann jedoch einen Züchter mit vier Beardies am Zügel Showlaufen sahen, war die Entscheidung gefallen.
Es sollte ein Beardie sein.
Und so trafen wir unsere Züchterin Sylvia Kaminski am Ring.

Wir nahmen einige Tage später Kontakt zur Welpenvermittlung auf und erfuhren, dass Sylvia einen neuen Wurf hatte.
Einige Telefonate und Zeit später machten wir uns auf den Weg zu Silvya und wurden von einer wuseligen Meute Beardies empfangen.
Noch nie hatten wir so freundliche Hunde gesehen.
Sylvia beobachtete uns, wie wir Kontakt zu den Hunden aufnahmen und wie ihre Hunde auf uns reagierten - der Test schien bestanden.
Nun wollten wir den Wurf mit den Babys sehen und kamen auf dem Weg zur Wurfkiste an ihrem Welpenzimmer vorbei, wo zwei ca. 13 Wochen alte schwarze Beardies spielten - eine Hündin und ein Rüde.
Die Frage nach den Beiden beantwortete Sylvia, dass es sehr traurig wäre - die Interessenten seien abgesprungen oder hätten nicht gepasst. Unser Interesse für die Beiden war geweckt.

Und wie es sich herausstellte, hatte sich Grisu uns bereits nach kurzem Kontakt ausgesucht.


Wir kamen dann noch zweimal zu Besuch, um dann stolzer Besitzer “unseres Grisu” zu sein.
Ein überaus schlauer Hund, der nur Freude bereitet hat - nun ja - außer bei den Badegästen am holländischen Strand, als Grisu das erste Mal Sand und Meer gesehen hat.
Er musste jedem in seiner Nähe mitteilen, dass es nichts Größeres als Sand und Meer geben kann.
Neee - das ist nicht unser Hund :))
Immer verspielt - manchmal stur wie ein Maulesel - hatte er sehr schnell begriffen, wann unsere Katzen keinen Hunger mehr hatten - und zwar maximal 15 Sekunden nachdem sie ihr Futter bekommen hatten.
Immer suchte er andere Hunde zum spielen und wurde sehr langsam, wenn er merkte - es geht nach Hause. Nicht dass es da nicht auch interessant gewesen wäre - waren eben keine anderen Hunde da.


Recht schnell keimte dann in mir die Idee, einen zweiten Hund dazuzuholen.
Die Idee einer anderen Rasse war schnell verworfen.
Und so, mit dem Wissen, dass Sylvia einen neuen Wurf haben würde, war klar - wieder ein Beardie - nur dieses mal sollte es ein brauner sein.

Uns so kam Billy B. ins Haus.
Erst fand Grisu das doof - nagte der Kurze ihm doch als erstes mal die Barthaare ab.
Doch mit der Zeit wurden die Beiden ein Herz und eine Seele.
Ich könnte ein ganzes Buch über die Beiden schreiben - vielleicht tue ich das mal, wenn ich Rentner bin und viel Zeit habe.


Grisu war einfach klasse. Alle waren von ihm als Welpen begeistert. Schlau war er - hat sofort begriffen, wann Bellen nicht erlaubt war und wann Bellen klasse war.
Hat sich über jeden, der zu Besuch kam, fast ein Bein abgefreut. Mit der Leine hatte er erst so ein paar Probleme. War doch Mist, nicht dahin gehen zu können, wohin er wollte. Nun ja - er hat sich dann über die Jahre mit dem Mistding abgefunden.
Nur nicht bei Ausstellungen. Die fand er einfach doof. Das stellte er dann auch ganz klar über den Ausdruck in seinem Gesicht wie auch seiner Körperhaltung zur Schau.

Ein Züchter meinte, der könnte alles abräumen, wäre da nicht dieser "Scheissegalausdruck" in seinem Gesicht. Das hat sich auch in seinem weiteren Leben nicht verändert - kaum sah er einen Ausstellungsring, hatte ich immer die Befürchtung, er könnte sich jeden Moment übergeben. Er hatte da nichts anderes im Sinn, als rumzupöbeln und alles zu markieren, was in seine Reichweite kam - sehr zur Freude aller andern Aussteller. Sylvia hat auch mal versucht, ihn im Ring zu führen - sah nicht schlecht aus, wie Grisu sie dann in Richtung einer gutriechenden Hündin gezogen hat.

So war er eben.


Jede Pfütze und jedes Loch, das auch nur entfernt etwas feucht war, war seine. Sehr zur Freude meiner Gattin. Das war es dann mit der sauberen Wohnung. Mich hat das eigentlich genauso wenig gestört wie Grisu. Ging es eben in die Wanne - hatte er auch kein Problem damit - war ja Wasser - und nach dem Abrubbeln konnte man ja wie ein Verrückter durch die Wohnung toben und sich genüsslich in den Ehebetten schrubbeln. War dann toll - wenn er trocken war, hatten wir ab und an einen Waldfußboden im Wohnzimmer.

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir das jetzt fehlt. Hört sich komisch an - aber nach 14 Jahren gehörte das einfach zu unserem Leben. Jetzt ist da so viel Raum, der nicht mehr ausgefüllt ist.

Der erste Urlaub mit Grisu war schon toll. Mein Schwager und seine Freundin wurden auch "Beardieverrückt" und hatten mittlerweile ihren Barny aus dem Welpenwurf, aus dem wir ursprünglich eine Hund wollten. Und die beiden zusammen hatten nach einiger Zeit nur Mist im Kopf. In eben diesem Urlaub haben die drei uns besucht. Wir saßen morgens gemütlich beim Frühstück in einem dieser holländischen Wohnwagen - Grisu und Barny waren draußen - war ja abgezäunt - konnte also nichts passieren - dachten wir. Vor dem Wohnwagen gab es ein wunderschönes Blumenbeet mit Randsteinen. Anfangs hörten wir die Beiden noch rumspielen - dann war es verdächtig ruhig. Uns traf fast der Schlag, als wir sahen, was da passiert war.

Vom Blumenbeet war eigentlich, bei näherer Betrachtungsweise nichts mehr übrig. Die beiden hatten alles ausgebuddelt und von den weißen Fellstellen konnte man gerade noch etwas erahnen. Die Blumen- oder das, was davon übrig war, lag verteilt auf dem Vorplatz und Grisu und Barny lagen zufrieden in der Blumenerde. Toll - der Tag war gerettet - nur anmeckern konnte die beiden keiner. Wir haben uns nach dem ersten Schreck gebogen vor Lachen, was dann ein Bellkonzert der beiden hervorrief. Böse konnten wir ihnen nicht sein. Am Strand waren die beiden dann nach kurzer Zeit wieder sauber. Und Buddeln im Sand war ja noch besser.

Wasser war eh das Größte für Grisu. Die Wellen konnten gar nicht hoch genug sein um sich wie ein Wilder den Fluten entgegenstellen zu können. Und Bellen. Bellen im Nordseewind war sowieso das Tollste. Schauen wir mal, wer lauter ist. So lernte Grisu in sehr kurzer Zeit sehr viel und wusste genau, was ok war und was man noch gerade so durchgehen lassen konnte.

Die Feste auf dem Hundeplatz in Harsewinkel war ebenso toll – waren doch von den Briten die meisten Beardies. Und irgendeiner fand sich immer, der eine Ball geworfen hat. Und wenn dann so ca. 50 Beardies wie die Irren auf dem Platz rumgetobt sind, war die Welt wieder in Ordnung. Und mittendrin Grisu. Er wusste jedoch bereits da, zu wem er gehörte. Kam immer wieder zu unserem Platz um dann bei dem nächsten Bellen wieder wie ein Irrer durchzustarten.

Eben wie Grisu – der kleine Drache, der Feuerwehrmann werden wollte.

Das hat er beibehalten. Wenn nichts los war, war er ruhig und geschmeidig. Er hörte jedoch das kleinste Geräusch – auch aus der ab gelegensten Ecke der Wohnung - was auf einen anderen Hund hat hinweisen können, startete er wieder durch.

Den Klang unseres Pkw kannte er bereits nach kurzer Zeit. Autofahren war auch klasse - wusste er ja, dass es ins Feld oder den Wald ging.

Auf dem Rückweg zum Auto wurde er dann bereits mit einem dreiviertel Jahr immer langsamer. Immer auf der Suche nach einem Spielkameraden. Da wurde uns klar - wir - das heißt Grisu braucht noch jemanden an seiner Seite. Und - eine andere Rasse - nein - dann kam Billy B. ins Haus. Grisu hatte sich das zwar am Anfang etwas anders vorgestellt. Der Kurze Braune kaute ihm genüßlich, wann immer es ging, den Bart ab. Grisu ist nie böse geworden - hat den Kleinen machen lassen und hat ihn ganz behutsam miterzogen. So wurde er in den ersten Jahren Vater- und Mutterersatz. Und er hat seine Sache sehr gut gemacht. Weil er schon so viel wußte und weil Billy B. ihn von Anfang an liebte, waren die Beiden sehr schnell ein Herz und eine Seele. Grisu hat ihm alles gezeigt, was er wußte. Und Billy B. hat es schnell gelernt.

Diese ersten Jahre waren so toll - zu sehen, wie Grisu seine Erziehung behutsam weitergab und in der Zeit so etwas wie unser Übersetzer für Billy B. war.

Als Billy B. dann erwachsener wurde, waren die Beiden unzertrennlich. Grisu hat ihm alles gezeigt - wie man Stress mit anderen Hunden aus dem Weg geht - wo man toll ins Wasser gehen kann und wo man sich toll einsauen kann. Wo die besten Stöckchen zum Spielen waren - wo die beste Stelle zum Buddeln war. Wo das Katzenfutter stand und wo es tolle Lecker gab. Wann man sich über einen Besuch ein Bein abfreuen konnte und wer nicht so nett war. Das Alles hat unser Grisu seinem Freund Billy gezeigt - und noch viel mehr. Ja - die Beiden waren die besten Freunde - da kam auch kein anderer Hund dazwischen. Ok - mal an einer tollen Hündin schnüffeln - dann aber wieder zurück zum Spielen.

Grisu hatte eine tolle Art, mit anderen Hunden umzugehen. Vorsichtig - jedoch nie ängstlich. Wiederum schaffte er es bereits als Junghund anderen Hunden deren Angst zu nehmen. Er war gerade mal dreiviertel Jahr alt, als er mit einem jungen Gordon-Setter im Wald spielte. Da Pfützen und Wasserlöcher, egal wie schlammig, Grisus größte Passion waren, tobte er da auch in den Löchern rum. Der Setter jedoch hatte Angst vor Wasser - wie sein Besitzer mir erzählte. Er war etwas älter als Grisu - nur das machte unserem Dicken nichts aus. Es dauerte keine 10 Minuten, da hatte Grisu den Setter davon überzeugt, daß Wasser und Schlamm das Größte seien - sehr zur Freude seines Herrchens :). Von wegen - Wasserscheu - von da an nicht mehr.

Auch an Billy B. hat er das weitergegeben - sehr zu unserer Freude. Wenn die Beiden sich mal richtig eingesaut hatten - und das kam öft vor - war Freude angesagt.

Wir konnten glücklicherweise verhindern, daß Beide gleichzeitig in die Wanne gingen.

Brausebirnen die - alles war ein Spiel. Nun ja - wurde das Bad eben häufiger geschrubbt.

Nach so einem Badehappening mußten wir schleunigst die Schlafzimmertür schließen . Oft vergaßen wir das - und dann - in Ermangelung eines Sandhaufens wurde in den Betten gebuddelt. Uns traf dann jedesmal der Schlag. Die Beiden fanden es gut - gehört dazu, wenn man nass ist muß man buddeln. Und die Betten neu beziehen.

Ach ja - und Schnee.

Grisu konnte davon kiloweise essen. Sah nach einiger Zeit immer aus wie ein Schrat. Die Fotos unten sind die letzten von Grisu im Schnee bevor mein Freund von uns ging.

 

2011

Jetzt ist es bereits mehr als ein Jahr her, dass Grisu nicht mehr bei uns ist.

Und es vergeht auch heute kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke - an seine Art mich zu begrüßen - seine Art meinen Tag mitzubestimmen. Das fehlt mir auch heute noch - immer noch denke ich zu den üblichen Zeiten - jetzt gehe ich mit Grisu ins Feld.

Dann ist sie wieder da - diese Trauer, die ich wohl auch nicht mehr verlieren werde.

Auch heute noch fehlt mir dieses Wesen so sehr, daß es schmerzt, wenn mir bewußt wird, daß ein Teil dieses gemeinsamen Lebensabschnittes fehlt - und nichts dieses zurückbringen kann.

Und solange diese Trauer noch so präsent ist, werde ich es wohl auch noch nicht hinbekommen, diese ganzen kleinen Geschichten dieser so wichtigen Freunsdschaft in meinem Leben zu erzählen.

Später vielleicht ...

Wir stehen jetzt kurz vor dem Jahreswechsel ins Jahr 2016.

Und ich denke immer noch an die Beiden.

Und immer noch fehlen sie mir. Ganz besonders Grisu. Und wieder ist ein Jahr ohne ihn vergangen. Einen neuen Hund lege ich mir in meinem Alter nicht mehr zu. Klar hätte ich als Rentner genügend Zeit für einen neuen Hund.

Ich würde ihn jedoch immer vergleichen und ihm damit wohl Unrecht tun.

An Grisu und natürlich auch Billi B. kommt wohl so schnell kein anderer Hund heran.

An die Leser - bis demnächst mal ...